Gräberfahrt, Teil 2

In meinem Blog ging es die Zugriffszahlen betreffend bisher eher ruhig zu. Das änderte sich vor 4 Wochen mit meinem Artikel über das Verhalten von Radfahrern auf dem Invalidenfriedhof schlagartig. Besonders lehrreich finde ich den Kommentar des Benutzers „Peter“. Er schrieb u.a.:

die strecke gehört zum fernradweg berlin-kopenhagen. sie fungiert als entlastung und umgehung des straßenverkehrs, da es ja immer alle menschen so schlimm finden, wenn radfahrer die straße benutzen. in diesem fall handelt es sich um ein teilstück, das sich fußgänger und radfahrer TEILEN. gleiches recht für beide also. 50/50. deutlicher: halber weg für füßgänger, andere hälfte für radfahrer. wo bleibt denn ihre anklage gegen die fußgänger, die das recht der radfahrer genau an dieser stelle beschneiden/ ignorieren. nein, die wagen es sogar zu klingeln, nein also wirklich!

Dumm und entlarvend.

Der sogenannte Fernradweg ist dort überhaupt nicht in Betrieb. Aus südlicher Richtung kommend wird das spätestens an der Ecke von Invalidenstraße und Ostseite des Schifffahrtskanals, einige hundert Meter vor dem Invalidenfriedhof, deutlich. Dort steht nämlich erstens ein Schild, dass der Weg von September 2014 bis Februar 2015 wegen Bauarbeiten gesperrt ist, zweitens ist das Verkehrszeichen 254 (Verbot für Radfahrer) angebracht. Wenn der Zaun offen ist, kann man das natürlich ignorieren. So wie am 9. November. So wie viele Radfahrer eben auch sonst gern jede Vorschrift ignorieren, während sie auf Autofahrer schimpfen, die Vorschriften ignorieren.

Richtig dumm wird es, wenn „Peter“ behauptet, Fußgänger und Radfahrer müssten sich den Weg auf dem Friedhof teilen. An den Eingängen auf Nord- und Südseite verweist ein Schild die Radfahrer (wenn der Weg denn mal wieder freigegeben wäre) auf den befestigten Weg. Auf der Schotterpiste haben sie also nichts zu suchen. Um das Schild zu lesen, müsste man vielleicht langsam fahren oder anhalten. Das ist für Radfahrer kaum möglich. Es stört den Flow. Also fährt man da, wo es am Besten in den Kram passt.

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Ganz allgemein gilt auf den Wegen, dass die Fußgänger Vorrang haben. Auch das steht auf dem Schild, was man nicht sieht, wenn man den Tunnelblick hat. Demzufolge teilen sich Fußgänger und Radfahrer dort den Weg nicht „50/50“ oder sonst irgendwie. Fußgänger dürfen umhertorkeln, Radfahrer haben das hinzunehmen und dürfen mit angepasster Geschwindigkeit drumrumfahren. Wenn nicht genug Platz ist, müssen sie eben absteigen. Das würde ihnen keinen Zacken aus der Krone brechen, ihre grundsätzlichen Bürgerrechte wären auch nicht bedroht. Im Zweifelsfalle den §1 der StVO lesen. Wobei mir gerade wieder einfällt, dass Radfahrer ernsthaft diskutieren, ob die StVO überhaupt für sie gilt, weil sie ja für Autos gemacht sei. Radfahrer sind demzufolge von gegenseitiger Rücksichtnahme befreit.

Ich weiss nicht, ob ich auf die Frage von „Berlinradler“ in den Kommentaren, warum Radfahren auf dem Friedhof schlimmer sei als zu Fuß gehen, näher eingehen soll. Ich beantworte es einfach mit dem Verweis auf das Hinweisschild am (dritten) Eingang des Invalidenfriedhofs an der Scharnhorststraße, der keinen befestigten Weg hat: „Einfahrt für Fahrräder verboten“.

Für mich ist der Unterschied zwischen zu Fuß auf den Friedhof gehen und gegebenenfalls Gräber zu besuchen und mit dem Rad auf dem Friedhof quer über die Gräber zu fahren gleibedeutend damit, jemandem zur Begrüßung die Hand zu geben oder ihm ins Gesicht zu spucken. „Berlinradler“ ist aber vermutlich jemand von der Sorte Mensch, die das nicht verstehen.

Der bessere Mensch

Radfahrer behaupten gern von sich, bessere Menschen zu sein. Weil sie das Fahrrad statt dem Auto benutzen, wenn sie sich fortbewegen. Weil sie „ihren Mitbewohnern Lärm, Gestank und tödliche Unfälle ersparen“, wie es die Chefredakteurin des Berliner ADFC-Magazins „radzeit“, Frau Finkelstein, schreibt.

Bin ich ein besserer Mensch, wenn ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre, aber einen großen Teil meiner Einkäufe im Internet bestelle? Wie kommen die zu mir nach Hause? Per drahtloser Übertragung? Der Film vielleicht, die Zahnbürste wohl nicht. Eingepackt von Arbeitskräften zum Hungerlohn. Bin ich ein besserer Mensch, weil ich ein freilaufendes Huhn vom Bauernhof esse? Der passiv-aggressive Vegetarier wird mich wohl trotzdem für ein Arschloch halten. Ist ein Arzt ein besserer Mensch als ein Müllmann? Ui ui ui, jetzt wird es aber gefährlich. Und dämlich.

Sich als Person oder Personengruppe moralisch über die Anderen zu erheben, kann eigentlich nur nach hinten losgehen. Mit dem Ergebnis, dass man das dann im Verhalten der Sichfürwasbessereshaltenden sieht. Der Büroschnösel, der der Putzfrau einen extragroßen Sauhaufen am Arbeitsplatz hinterlässt. Und der Radfahrer. Ich fahre, also bin ich. Und zwar was Besonderes. Deswegen gelten natürlich auch keine Regeln für mich. Ampeln sind nur für Autos gedacht. Es gibt Radfahrer die ernsthaft im Internet diskutieren, die StVO gelte für sie nicht, weil sie nur für Autos gedacht und gemacht sei. Regeln sind nur Repression.

Vor mehr als zehn Jahren war der damalige Berliner ADFC-Vorsitzende übrigens anderer Meinung. Radfahrer seinen keine besseren Menschen, sagte er. Ob das eine Einzelmeinung gewesen ist, weiss ich nicht. Die in der „radzeit“ geäußerte ist es mit Sicherheit nicht. Die B.Z. hakte bei Frau Finkelstein nach, was es mit ihrer steilen These auf sich habe. Das wäre die Gelegenheit gewesen, dass zu präzisieren oder geradezurücken. Stattdessen gab’s offenbar nur eine dumme Antwort. Schade.

Gräberfahrt

Zum heutigen Jubiläum des Mauerfalls war es voll in der Stadt, besonders voll an der „Lichtgrenze“, die den ehemaligen Verlauf der Mauer markiert hat. Diese Lichtgrenze führte auch über den Invalidenfriedhof und bot dort den Radfahrern ausreichend Gelegenheit zu beweisen, das unter ihresgleichen ein breiter Bodensatz an charakterlich gestörten Individuen existiert. Absteigen vom Rad und schieben? Auf einem Friedhof? Warum denn. Auch dann nicht, wenn nicht mal genug Platz für die Massen von Fußgängern ist, die der Lichtgrenze entlang wandern wollen. Man kann klingeln und sich einfach Platz verschaffen, oder man kann auch querfeldein den Stau umkurven. Einfach über die Gräber fahren, anhalten, Fuß auf der Grabplatte, sich umschauen, weiterfahren, klingeln, auf empörte Rufe einiger Fußgänger, hier nicht über die Gräber zu fahren, gar nicht reagieren. Den Vorwärtsdrang des Radfahrers halten weder die Lebenden noch die Toten auf.

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Ich fahre hier und kann nicht anders?

Kein Platz nirgends

Zu viele Tische, Bänke und sonstiger Krempel auf dem Fußweg – darüber kann man kann sich jeden Sommer erneut aufregen. Natürlich ist es toll, wenn man bei schönem Wetter draußen sitzen und trinken und essen kann. Offensichtlich scheint es aber keine Regeln zu geben, wieviel Platz den Fußgängern auf ihrem Territorium dabei noch zusteht.

In meinem Kiez beobachte ich, wie es jedes Jahr kontinuierlich immer mehr wird. Nicht mehr Lokale, sondern einfach mehr Zeug auf dem Fußweg. Erst eine Tischreihe, im nächsten Jahr zwei, wieder ein Jahr später noch eine Reihe Blumenkübel davor und dann vielleicht noch ein Aufsteller, der auf das Angebot hinweist.

Wieviele Tische bei dem Lokal im folgenden Foto in den Jahren zuvor draußen gestanden haben, weiß ich nicht. Obwohl der Fußweg an dieser Stelle irre breit ist – durch die vielen Tische können vorn an der schmalsten Stelle zwei Fußgänger kaum mehr normal aneinander vorbeigehen. Das Ordnungsamt pennt, igelt sich ein oder schreibt den ganzen Tag Strafzettel für Falschparker.

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Der öffentliche Bewegungsraum des Fußgängers wird massiv eingeschränkt. Er verschwindet geradezu. Je mehr auf dem Fußweg rumsteht, umso weniger Platz bleibt – und diesen wenigen Platz müssen wir uns noch mit den Radfahrern teilen. Die Konflikte nehmen deshalb im Sommer massiv zu. Eine Wand von vier Radfahrern, die einem auf dem Kudamm entgegenkommt, nimmt die verbliebene Hälfte den Fußgängern auch noch weg.

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Denen bleibt nichts anderes übrig, als stehenzubleiben und zu hoffen, dass sie niemand über den Haufen fährt. Die Polizei schaut weg, interessiert sich nicht dafür und verbreitet stattdessen Propaganda über eine neugegründete Fahrradstaffel, die so arm dran ist, dass sie sich sogar die Fahrräder und Bekleidung sponsern lassen muss – während Berlin zur selben Zeit Millionen übrig hat, um mittels eines massiven Polizeieinsatzes ein Flüchtlingsheim abzuriegeln / zu bewachen / zu räumen.

Im Westen ist die Fahrradstaffel übrigens nicht unterwegs. Und nach 20 Uhr und vor 7 Uhr auch nicht, lässt die Polizei wissen. Da ist sie wieder: sinnlose und den Fußgänger verhöhnende Symbolpolitik, die nichts leistet, wofür sich aber jeder Politiker ein Abzeichen an die Brust heften und eine schöne Pressemitteilung herausgeben kann, wieviel Berlin doch für die Verkehrssicherheit tut. „Eine Fahrradstaffel gründen“ liest sich halt schöner, als den Fußgängern mehr Platz schaffen, Krempel wegräumen, und Radfahrer vom Fußweg zu vertreiben.

Rabenmutter

Eine Frau fährt auf dem Fahrrad bei Rot über die Ampel und mitten in die Fußgängergruppe rein, die Grün hat. Die Augen starr geradeaus gerichtet, keinen Blick in Richtung des Fußvolkes verschwendend. Sie hat ein Kleinkind hinter sich im Kindersitz. Die Fußgänger halten in ihrer Bewegung inne oder weichen aus. Alltag auf Berliner Straßen.

Ich kann das nicht verstehen. Es ist eine Sache, sich im Straßenverkehr wie ein Arschloch zu verhalten. Es ist aber etwas anderes, sein Kind freiwillig in große Gefahr zu bringen. Welche Mutter ist so fahrlässig?

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Denkt sie, das Kind ist ihr Schutzschild? Dass jeder das Kind sieht und deswegen schon Rücksicht nehmen wird? Denkt sie, die Deppen werden mir schon Platz machen, weil ja kein Fußgänger freiwillig mit einem Fahrrad zusammenstoßen will?

Dann vergisst sie aber, dass so mancher Fußgänger unaufmerksam ist, wenn er die Fahrbahn überquert. Er verlässt sich darauf, dass er bei Grün ungestört ist. Dann knallt es und das Kind landet auf dem Asphalt.

Die Helmpflicht und der ADFC

„Bundesgerichtshof entscheidet: Keine Helmpflicht für Radfahrer“ titelt heute RP Online. Mit dieser Schlagzeile ist das Niveau der gerade geführten Debatte im Wesentlichen schon sehr gut erfasst:

„Ich kann mich sehr gut an meine Kindheit erinnern. Niemand hat damals einen Helm getragen und groß sind deshalb dennoch alle geworden.“

„Autofahrer fahren schon rücksichtslos genug. Da sollte man solch ein Verhalten nicht noch unterstützen, in dem man Radfahrern Helme aufzwingt.“

Oooookay.
Es ging in der Klage einer Radfahrerin vor dem BGH nicht um eine Helmpflicht, sondern darum, ob sie an den finanziellen Folgen eines Verkehrsunfalls, an dem sie keine Schuld hatte, mit 20% zu beteiligen sei – einfach aufgrund der Tatsache, dass sie keinen Helm trug.

Darüber kann man natürlich streiten. Es wundert mich nur, dass in der Debatte kaum jemand auf die Mofas verweist (die unter Umständen sogar weniger schnell als ein Fahrrad unterwegs sind), für deren Fahrer eine Helmpflicht gilt. Und was ist mit der Anschnallpflicht im Auto? Warum wurde die 1974 eingeführt? Offensichtlich um das Verletzungsrisiko zu reduzieren. Warum man das also Radfahrern nicht ebenso gesetzlich aufzwingen können sollte, verstehe ich nicht.

Schauen wir uns doch mal an, was der ADFC zum Thema Fahrradhelm zu sagen hat:

„Der ADFC weist Forderungen nach einer Helmpflicht als untauglich zurück. Es ist seit langem übereinstimmende Meinung aller Experten und der Bundesregierung, dass eine Helmpflicht weder durchzusetzen noch zu kontrollieren sei.“

Ist das nicht entlarvend? Es ist weder durchzusetzen, noch zu kontrollieren, also lehnen wir es ab. Letztlich betrifft das aber alle Verhaltensregeln für Radfahrer – sie sind Im Wesentlichen nicht zu kontrollieren und nicht durchzusetzen. Von ein paar Show-Veranstaltungen der Polizei abgesehen, wo Radfahrer brav anhalten, wenn der Polizist die Kelle hebt und mal den Luftdruck der Reifen kontrolliert. Die meisten weichen aus und fahren weiter. Verständlicherweise rennt der Polizist dem Radfahrer nicht hinterher und wirft ihm auch nichts in die Speichen.

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Aber es wird noch besser:

„Selbstverständlich spricht nichts dagegen, wenn sich Radfahrer individuell mit einem Helm schützen. Der ADFC vertritt allerdings die Auffassung, dass eine generelle Senkung des Unfallrisikos für Radfahrer vorrangig durch eine radfahrerfreundliche Verkehrsplanung erfolgen sollte.“

Es spricht nichts dagegen, sich mit einem Helm zu schützen – das ist die positivste Aussage, zu der sich der ADFC durchringen konnte. Kein Wort davon, dass der Helm mit absoluter Sicherheit Kopfverletzungen reduziert oder verhindert. Um das zu wissen, muss man kein Arzt sein. Mit einer zusätzlichen Knautschzone auf dem Kopf gegen die Wand laufen = weniger Aua. Das sollte jedem einleuchten. Aber nein, nicht dem ADFC. Und im zweiten Satz macht man einen Schlenker vom Fahrradhelm zum Unfallrisiko, was aber überhaupt nicht das Thema ist. Das generelle Risiko, überhaupt einen Unfall zu erleiden, hängt selbstverständlich vom Verhalten der Verkehrsteilnehmer und nicht vom Helm auf dem Kopf des Radfahrers ab.

Und der ADFC macht perfide so weiter und zitiert eine Studie aus Toronto, nach der kanadische Forscher keinen Rückgang der Kopfverletzungen nach Einführung der Helmpflicht feststellen konnten. Damit ist das Ergebnis der Studie aber listig verkürzt. Denn da steht, die Quote der Krankenhauseinweisungen für Radfahrer mit Kopfverletzungen reduzierte sich in Provinzen mit Helmpflicht stärker als in Provinzen ohne Helmpflicht, aber die Verletzungsraten waren schon vor Einführung der Helmpflicht auf dem Rückzug. Zudem ist statistisch nicht erfasst, ob die im Krankenhaus behandelten Radfahrer bei ihrem Unfall überhaupt einen Helm trugen oder nicht.

Wieder einmal wird deutlich, welchen seltsamen Lobbyismus der ADFC betreibt. Die Frage bleibt: Warum? Warum kämpft der ADFC aktiv gegen die Helmpflicht mit blöden Argumenten, anstatt einfach zu sagen: „Wir wissen, dass Helme vor schlimmen Verletzungen schützen können, überlegt euch selbst, ob ihr das Risiko eingehen wollt, oder nicht.“ Sich aktiv dagegen zu stellen, macht auf den ersten Blick keinen Sinn.

Aber man muss wohl akzeptieren, dass der ADFC gegen alles ist, was die Freiheit seiner Mitglieder auch nur scheinbar einzuschränken scheint. Ohne Rücksicht auf Verluste in den eigenen Reihen und bei anderen Verkehrsteilnehmern. Regeln sind für andere da. Es ist die Religion des ADFC, sich unter keinen Umständen Vorschriften machen zu lassen.

Die Autoren der Studie aus Toronto schreiben übrigens auch: „Fahrradhelme reduzieren das Risiko von Kopfverletzungen und wir unterstützen ihre Nutzung“. Das hat der ADFC natürlich unter den Tisch fallen lassen. Was er daraus macht, kann man z.B. in den Aussagen seines offensichtlich komplett irren Vize-Chefs Dirk Lau nachlesen:

„Es gibt keine verlässlichen Argumente für die Helmpflicht. Es gibt einzelne Ärzte, die sagen: „Wenn Sie auf den Kopf fallen, dann schützt ein Helm.“ Ja klar, deswegen gibt es ja auch Arbeitshelme. Aber es gibt keine Argumente, keine Studien, die nachweisen, dass eine Helmpflicht die Unfallgefahr verringert.“

Es ist interessant zu sehen, wie der ADFC sich ein paar Standardaussagen zu dem Thema zurecht gelegt hat. Denn auch Herr Lau macht den Sprung von der Helmpflicht zur Unfallgefahr, um die es aber überhaupt nicht geht, sondern um das Verletzungsrisiko. Das letzte Wort dazu überlasse ich einem Unfallchirurgen:

„Sind Fahrradhelme also nutzlos oder sogar ein potenzielles Sicherheitsrisiko? Im Gegenteil, meint der Berliner Unfallchirurg Karsten Mülder. Er hält überhaupt nichts davon, Fahrradhelme in Studien zu testen: „Ich kenne keine Studie, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen würde – das wäre ja ethisch gar nicht vertretbar“, sagt er. … Sein engagiertes Eintreten für Fahrradhelme begründet er mit den täglichen Erfahrungen aus seiner Praxis. Seit Jahrzehnten sehe er schwere Verletzungen bei Radfahrern ohne Helm – und viele Unverletzte, deren Helme nach Unfällen stark beschädigt seien: „Der zynische Chirurgenspruch aus der Zeit vor den Helmen stimmt leider: Die Knautschzone des Fahrradfahrers ist sein Frontalhirn.“

0,04 Probleme

0,04 Radfahrer pro Tag verursachen einen Unfall im Prenzlauer Berg mit Fußgängern. Diese Zahl vermittelt uns die Unfallstatistik der Berliner Polizei für 2012, die ganze 227 Unfälle ausweist, die auf falsches Verhalten von Radfahrern gegenüber Fußgängern zurückzuführen sind. Im ganzen Prenzlauer Berg sollen sich 15 Fahrradfahrer daneben benommen haben, in Pankow 4 und in Hohenschönhausen Null! Wie die Polizei selbst schreibt, sind das nur die Unfälle, die statistisch erfasst sind. Und in einer Statistik kann man natürlich viel weglassen, so wie man auch viele Arbeitslose in der Arbeitslosenstatistik weglässt. Oder die Polizei verfügt tatsächlich nicht über glaubwürdigere Zahlen. Es hindert sie allerdings niemand daran, den gesunden Menschenverstand zu nutzen und zu erkennen, dass diese Zahlen nicht stimmen können. Das Problem bei diesen Zahlen ist, dass auf ihrer Basis von Seiten der Behörden argumentiert und Schwachsinn geplant wird. Der geschundene Fußgänger geht unter, der von Autofahrern geschundene Radfahrer schreit lauter, ist in der Statistik mit höheren Zahlen präsenter und hat im Gegensatz du den Fußgängern eine lautstarke Lobby, die diese Zahlen vielstimmig in den Medien verbreitet.